Entwicklungsgespräch
An der IGS Zell wird im Vorfeld der Zeugnisausgabe ein Entwicklungsgespräch stattfinden, an dem der jeweilige Schüler/die jeweilige Schülerin, die Klassenlehrerinnen und -lehrer sowie die Eltern teilnehmen. Inhalte des Gesprächs sind das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler sowie die Fachleistung und die differenzierte Notengebung. Alle Beteiligten, d.h. Eltern, Lehrer und Schüler erhalten im Vorfeld Vorbereitungsbögen, mit denen sie sich auf das Gespräch vorbereiten können. Jedes Entwicklungsgespräch wird protokolliert und es werden konkrete Ziele vereinbart, die von allen Beteiligten unterschrieben werden und deren Erreichen zu einem späteren Zeitpunkt überprüft wird.
Das besondere Profil unserer Schule macht das Entwicklungsgespräch besonders wichtig. Wir legen großen Wert darauf, dass die Schüler sich über ihren Lernprozess bewusst sind und sich konkrete Ziele setzen. Aus diesem Grund werden sie im Unterricht immer wieder dazu aufgefordert, sich selbst einzuschätzen und Etappenziele festzulegen, deren Erreichen sie später überprüfen können. Beim Entwicklungsgespräch werden die Eltern mit in diesen Prozess einbezogen. Auch die Lehrer können sich wirksamer für die Förderung des Schülers einsetzen, wenn sie die Sicht der Eltern und der Schüler kennen. Das Gespräch fördert in diesem Sinne die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern und ermöglicht somit ein Feedback für alle Beteiligten.
Wie bereits erwähnt, wird auch die Notengebung Inhalt des Gesprächs sein. Ebenso wie der Unterricht, so ist auch die Leistungsbeurteilung an der IGS Zell differenziert, d.h. die Noten werden auf verschiedenen Leistungsniveaus vergeben und Lernfortschritt und Arbeitseinsatz fließen mit in die Note ein. Auf diese Weise können bessere Schüler mehr gefordert werden und schwächere Schüler können auch für kleine Erfolge belohnt werden. Die Erfahrungen mit dieser Art der Notenfindung haben gezeigt, dass die Schüler mehr zu Leistung motiviert werden können. Bei einem Abgangszeugnis müssen die Noten auf Hauptschul- Realschul- oder Gymnasialniveau umgerechnet werden.
Die Schüler kennen dieses Prinzip bereits aus verschiedenen Fächern, in denen differenzierte Klassenarbeiten geschrieben wurden. Bei dem Entwicklungsgespräch werden die Eltern darüber informiert, auf welcher Ebene der inneren Differenzierung die Noten des Kindes gegeben wurden. Mehr Informationen zu diesem Thema können in unserem Konzept der inneren Differenzierung nachgelesen werden.
„Warum so viel Aufwand?”
Gespräche für jeden einzelnen Schüler mit Lehrer und Eltern, das nimmt doch zuviel Zeit in Anspruch,“ so mag mancher denken.
Der Aufwand wird sich lohnen, denn jeder Schüler weiß in diesen Gesprächen: „Hier ist tatsächlich von mir die Rede, von meinen Anstrengungen, von meinen Erfolgen, auch von meinen Misserfolgen und meinem Versagen.“ Bei der gemeinsamen Formulierung der Ziele übernehmen die Schüler – mit Eltern und Lehrern zusammen – Verantwortung für ihren Schulerfolg. Diese Verantwortung bestärkt auch das Selbstwertgefühl der Schüler und ihr Leistungsbewusstsein.
Kurze Zusammenfassung der Vorteile und Chancen unserer Konzeption
Vorteile der inneren Differenzierung
- Leistungsstarke Schüler können mehr gefordert werden
- Leistungswürdigung und Motivation sind auch für schwache Schüler durch Notengebung möglich
Chancen des Entwicklungsgesprächs
- Es fördert die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern (Feedback für alle Beteiligten)
- Es macht die differenzierte Leistungsmessung transparent und erhöht somit auch die Akzeptanz derselben
- Es werden konkrete Zielvereinbarungen getroffen, deren Erreichen für alle überprüfbar ist. Dies erleichtert die individuelle Förderung der Schüler
- Es macht den Schülern die eigene Verantwortung für ihren Lernprozess immer wieder deutlich, indem sie dazu aufgefordert werden, sich selbst einzuschätzen und Ziele zu formulieren
- Eigenverantwortung und Selbstwertgefühl aller Beteiligten werden verstärkt.
Begabtenprojekt Pfiffikus
Pfiffikus ist unser Projekt für leistungsstarke und zugleich leistungsbereite Schüler. Es werden projektorientiert Inhalte behandelt, die über den normalen Unterricht hinausgehen. Angestrebt wird auch die Teilnahme an Wettbewerben.
Die aktuelle didaktische Diskussion – Quellen und Material
Die aktuelle didaktische Diskussion unterstützt die Vorgehensweise an der IGS Zell. So schildert Enja Riegel in ihrem Buch Schule kann gelingen (Frankfurt 2004), dass auch an der Helene-Lange-Schule, einer sehr erfolgreichen und bekannten Gesamtschule in Wiesbaden, ausführliche Entwicklungsberichte durch intensive Gespräche ersetzt wurden.
In der aktuellen Literatur zu diesem Thema wird häufig als Anliegen formuliert, Notenzeugnisse „zumindest teilweise zugunsten individueller und differenzierter Formen der Leistungsrückmeldung zu überwinden“ (Beutel, in: Praxis Schule, Oktober 2008). Zeugnisgespräche werden empfohlen, denn „was nicht gelesen und nicht verstanden wird, kann nicht das künftige Lernen verändern.“ (Beutel, S. 39). Ziel ist es demnach, den Schülern ihren Leistungsstand transparent zu machen und sie bei Schwächen zu ermutigen. Auch der standardisierte und formelhafte Sprachgestus in verbalen Beurteilungen wird abgelehnt.

Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur empfiehlt die Durchführung von jährlichen Lehrer-Schüler-Eltern-Gesprächen: „Der in § 10 Abs. 1 des Schulgesetzes normierte Anspruch, alle Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, ist leichter zu erfüllen, wenn alle im Lernumfeld Beteiligten miteinander kommunizieren, wenn sie wissen, was gut läuft, aber auch, was besser laufen könnte. Die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ist zudem – auch nach den Erkenntnissen der Pisastudie – grundlegende Voraussetzung für den Bildungserfolg. Schulen sollen deshalb in einen regelmäßigen konstruktiven Dialog mit Schülerinnen und Schülern und Eltern eintreten. Nur durch das regelmäßige Gespräch kann sich zwischen den Beteiligten eine unbelastete Atmosphäre entwickeln, in der auch mögliche Konflikte besser gelöst werden können.“ Die Empfehlungen des Ministeriums sind nachzulesen im Leitfaden für ein Lehrer – Schüler – Eltern – Gespräch an rheinland-pfälzischen Schulen (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, 2007).
Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, schreiben Sie uns! Wir freuen uns über jede Rückmeldung: E-Mail
Michaela Koch für das Lehrerteam der IGS Zell
Aktualisiert am 23. Januar 2012
