Fördern und Fordern

Stand März 2013

„Wie kann es sein, dass alle Schüler an einer Schule gut gefördert werden können?“, so fragen uns immer wieder besorgte Eltern. Bei uns lernen alle Schüler eines Jahrgangs in der Tat gemeinsam und gerade davon versprechen wir uns für jeden einzelnen die optimale Förderung. Dies ist möglich, weil wir verschiedenen Grundprinzipien folgen:

  • Innere Differenzierung mit systematischer Förderung des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens der Schüler sowie intensiver Zusammenarbeit mit den Eltern (z.B. in Entwicklungsgesprächen, an denen Lehrer, Eltern und Schüler teilnehmen) sowie Leistungswürdigung auf verschiedenen Niveaus in den Hauptfächern.
  • Äußere Differenzierung ab Klasse 7 (Einteilung von Leistungsgruppen in Mathematik, Deutsch und Englisch)
  • Angebote der Förderung: Förderkurse am Nachmittag
  • Angebote der Forderung: Begabtenprojekt Pfiffikus am Nachmittag
  • Lift-und Stützkurse im Rahmen der Ganztagsschule, die den Schülern dabei helfen sollen, sich in Bezug auf ihre Leistungen im Hinblick auf den Sekundarabschluss I und die gymnasiale Oberstufe zu steigern.

Innere Differenzierung

Bei der Arbeit in Projekten arbeiten die Schüler meist in Gruppen. Hier können sich die Schüler die Schwerpunkte ihrer Arbeit und Interessen selbst auswählen und sich mit den Fähigkeiten einbringen, die sie am besten beherrschen. Zugleich lernen sie von den anderen Gruppenmitgliedern. So kann ein Schüler, der gut praktisch arbeiten kann, ein handwerkliches Produkt zu einem Thema herstellen, während ein anderer einen Zeitungsartikel zu dem gleichen Thema schreibt.
Bei der Partnerarbeit können Schüler sich gegenseitig helfen, abfragen und ergänzen.
Bei der Einzelarbeit können sich die Schüler ganz auf sich und ihre eigene Arbeitsorganisation konzentrieren. Die Einzelarbeit wird oft von Partnerarbeit abgelöst, wenn ein Schüler Schwierigkeiten hat oder etwas klären möchte.

Methoden der inneren Differenzierung

Neben den Arbeitsformen spielen bei der inneren Differenzierung verschiedene Methoden eine wichtige Rolle, wie z.B. das Lernen an Stationen und die Wochenplanarbeit. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten für eine bestimmte Zeit im Unterricht und bei den Hausaufgaben an einem Arbeitsplan zu verschiedenen Inhalten. Sie müssen selbst steuern, wann sie welche Aufgabe machen und wie viele Aufgaben sie als Hausaufgabe erledigen wollen. Wichtig ist, dass sie innerhalb der festgesetzten Zeit mit allen Aufgaben fertig sind. Die schnelleren Schüler machen Zusatzaufgaben und können den anderen helfen.
Die Lernerfolge werden je nach Leistungsstand des Schülers in der Orientierungsstufe auf den Schwierigkeitsstufen Basis und Additum überprüft.

Auch die Aufgaben der Wochenpläne sind in unterschiedliche Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Außerdem gibt es Pflicht-, Wahlpflicht- und Zusatzaufgaben. Auf diese Weise werden die schwächeren Schüler nicht permanent überfordert und die besseren Schüler können gefordert werden, das heißt, es gibt keine Anpassung des Lerntempos an einen Mittelwert, der die besseren Schüler bremsen würde. Die Schüler werden also individuell gefördert und gefordert. Damit einher geht ein immenser Gewinn an Übungszeit: Statt in der Klasse alle Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten, können die Schüler ihrem eigenen Tempo entsprechend arbeiten und haben mehr Zeit dazu, das zu üben, was sie noch nicht können.

Die Einzelarbeit kann abgelöst werden durch Partnerarbeit oder Unterrichtsgespräche, in denen die Schwierigkeiten besprochen werden können, Hilfestellungen gegeben werden oder Input-Phasen eingeschoben werden. In der 5. Klasse müssen die Schüler bei dem Aufbau der Fähigkeit zum selbst gesteuerten Lernen noch unterstützt und kontrolliert werden.
Die Schüler machen diese Art der Arbeit gern, es ist ein Ansporn für sie, mehr zu leisten oder anderen zu helfen. Oft hören wir von den besseren Schülern die Frage: „Soll ich eine Zusatzaufgabe machen oder darf jetzt ich den anderen helfen?“

Fähigkeiten, die die Schüler beim selbst gesteuerten Lernen einüben

  • Selbsteinschätzung und Feststellung von Lernbedarf
  • Verstehen und Ausführen von Arbeitsaufträgen
  • Zeiteinteilung über den Zeitraum einer Woche
  • Benutzung von Hilfsmitteln (z.B. Wörterbücher)
  • Selbstkorrektur und Einschätzung von Lernfortschritten
  • Verbesserung der fachlichen Fähigkeiten

Selbstständiges Lernen und Arbeiten muss in einer Zeit, die durch schnelle Veränderungen lebenslanges Lernen erfordert um Erfolg zu haben, ein wesentliches Ziel von Schule sein. In einigen Grundschulen wurde bereits mit Methoden des selbstständigen Lernens darauf hingearbeitet. Dieser Weg wird an unserer Schule weitergegangen, so dass die Schüler spätestens im 7. Schuljahr über die Fähigkeit zur weitgehenden Selbststeuerung verfügen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass mehr Selbstverantwortung die Schüler zu mehr Leistung motiviert und ihnen den Anreiz nimmt, zu „mogeln“ und die Arbeitsanweisungen des Lehrers mit Tricks zu umgehen.

Die Rolle des Lehrers

Die Arbeit des Lehrers verändert sich bei der gezielten und systematischen Durchführung von innerer Differenzierung und selbst gesteuertem Lernen. Die Vorbereitung und die Planung nehmen sehr viel Zeit ein. Bei zunehmender Selbstständigkeit der Schüler ist der Lehrer nicht mehr der Animateur, der versucht, die Aufmerksamkeit aller 25 Individuen frontal zu bündeln, er ist nicht mehr der Dompteur, der dafür sorgen muss, dass die Aufmerksamkeit der Mehrheit nicht durch einzelne Störer abgelenkt wird und er ist nicht mehr in jeder Minute des Unterrichts der Übervater mit Wissensmonopol.
Er stellt eine gestaltete Lernumgebung zur Verfügung und ist präsent als Ansprechpartner, der natürlich auch auf die Einhaltung der Regeln achtet und später den Lernerfolg überprüft. Er unterstützt die Schüler praktisch und inhaltlich und achtet zugleich darauf, dass sie zunächst versuchen ihre Probleme selbst zu lösen.
Eine wichtige Aufgabe des Lehrers ist es auch, die Schüler im Lernprozess in Bezug auf Sorgfältigkeit, Arbeitsfortschritt und gewählte Sozialformen zu beobachten. Dieser Beobachtung folgt die beratende Rückmeldung. Um diese Arbeit besser leisten zu können, sind einige Unterrichtsstunden mit zwei Lehrkräften besetzt oder die Lerngruppen werden für bestimmte Stunden oder Unterrichtsphasen geteilt.

So können die Eltern ihre Kinder unterstützen

Die Eltern sollten Interesse zeigen und sich von Ihren Kindern darüber informieren lassen, wann differenziert gearbeitet wurde und welchen Schwierigkeitsgrad sie gewählt haben. Sie sollten die Kinder dazu ermutigen, Zusatzaufgaben zu machen und mit ihnen ins Gespräch kommen, indem sie sich von ihren Kindern die Arbeitsweise zum Beispiel im Wochenplan erklären lassen.

Äußere Differenzierung

Ab Klassenstufe 7 werden die Hauptfächer Mathematik und Englisch auf drei Leistungsebenen (E2, E1 und G) in äußerer Fachleistungsdifferenzierung unterrichtet. In Deutsch wird in der 7. Klasse eine innere Fachleistungsdifferenzierung auf zwei Niveaustufen (E und G) eingeführt, die dann in der Klassenstufe 8, wie schon vorher in den Fächern Mathematik und Englisch, in eine äußere Fachleistungsdifferenzierung auf drei Niveaus übergeleitet wird.
In den naturwissenschaftlichen Sachfächern Physik und Chemie greift die äußere Fachleistungsdifferenzierung ab Klassenstufe 9 (2 Leistungsebenen: E und G). Übergänge von einer Leistungsebene zu einer anderen sind  je nach Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler am Ende eines jeden Halbjahres möglich.

Förderkurse am Nachmittag

In jeder Klassenstufe führen wir für die Feststellung von Förderbedarf mit den Schülern eine Lernstandserhebung in Mathematik und Deutsch durch. Die Schüler erledigen in SGL online verschiedene Tests und erhalten eine Auswertung sowie Materialien zum Üben, die ihrem persönlichen Lernstand entsprechen. Später überprüfen sie in einem Nachtest den Erfolg ihrer Arbeit. Bei dieser Lernstandserhebung lernen die Schüler zugleich den Nutzen bringenden Umgang mit PC und andere Inhalte des Faches ITG (Informationstechnische Grundbildung).

Begabtenprojekt Pfiffikus

“Das Gehirn entwickelt sich am besten,wenn es etwas mit Begeisterung tut”

(Spitzer, Hüther, Bauer & Co)

Auch besonders Begabte haben es nicht immer leicht. Sie fallen oft nicht als solche auf oder erscheinen sogar als Schulversager. Manche fallen als „anders“ auf und fühlen sich sozial nicht anerkannt. Manche haben Schwierigkeiten mit der Entwicklung von persönlichen Kompetenzen und schaffen es in der 8. Klasse noch nicht, ihren Schulranzen zu packen oder sich im Unterricht zu konzentrieren. Manche wünschen sich einfach nur mehr Lernangebote.

Für diese Schüler haben wir ein besonderes Angebot am Nachmittag, das sich an den Erfahrungen des „Entdeckertags“ (Begabtenförderung an den rheinland-pfälzischen Grundschulen) orientiert. An der IGS Zell wurde dieses Konzept in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Begabungsforschung (DZBF) weiterentwickelt. Es berücksichtigt, dass Begabte Persönlichkeitsförderung und eine stabile Umgebung in Bezug auf Freunde, Lehrer und Eltern brauchen. Was für alle gilt, ist für Begabte besonders wichtig: Für ihren Erfolg im Leben brauchen sie ein gutes Selbstbild und feste Beziehungen zu Eltern und Lehrern. Diese elementaren Bedürfnisse werden berücksichtigt, wenn in der IGS Zell Begabte integrativ – oder noch besser formuliert: inklusiv – gefördert werden: Sie bekommen besondere Angebote und bleiben zugleich in ihrer gewohnten Umgebung. Gemäß der Erkenntnis der Neurobiologen, dass das Gehirn sich am besten entwickelt, wenn es etwas mit Begeisterung tut, wählen die Schülerinnen und Schüler die Projekte und ihre persönlichen Schwerpunkte selbst aus: Hier dürfen sie sich ganz nach ihren Begabungen und Interessen entfalten.

Im Rahmen von Pfiffikus bieten Lehrer für die Dauer mindestens eines Jahres verschiedene Themen und „Forscherprojekte“ an, die sie selbst begeistern.

In diesem Jahr (2012/13) gibt es vier Angebote:

- “Regionalgeschichte im Mittelalter / Unser Sternenhimmel” (2 Schwerpunkte) mit Herrn Oetringer

- „Creaive kids 4 IGS“ (Schülerfirma mit Vertrieb von selbst hergestellten Kunstobjekten und Traubensaft) mit Herrn Steup

- „Regionale Geographie“ (mit Geocaching etc.) mit Frau Schnabel

- „Schreibwerkstatt – Phantasieliteratur lesen und selbst schreiben“  (Deutschprojekt) mit Frau Koch

Aktualisiert am 21. März 2013