Fördern und Fordern
Stand Januar 2012
„Wie kann es sein, dass alle Schüler an einer Schule gut gefördert werden können?“, so fragen uns immer wieder besorgte Eltern. Bei uns lernen alle Schüler eines Jahrgangs in der Tat gemeinsam und gerade davon versprechen wir uns für jeden einzelnen die optimale Förderung. Dies ist möglich, weil wir verschiedenen Grundprinzipien folgen:
- Innere Differenzierung mit systematischer Förderung des selbstständigen und selbstgesteuerten Lernens der Schüler sowie intensiver Zusammenarbeit mit den Eltern (z.B. in Entwicklungsgesprächen, an denen Lehrer, Eltern und Schüler teilnehmen) sowie Leistungswürdigung auf verschiedenen Niveaus in den Hauptfächern.
- Äußere Differenzierung ab Klasse 7 (Einteilung von Leistungsgruppen in Mathematik, Deutsch und Englisch)
- Angebote der Förderung: Förderkurse am Nachmittag
- Angebote der Forderung: Begabtenprojekt Pfiffikus am Nachmittag
- Lift-und Stützkurse im Rahmen der Ganztagsschule, die den Schülern dabei helfen sollen, sich in Bezug auf ihre Leistungen im Hinblick auf den Sekundarabschluss I und die gymnasiale Oberstufe zu steigern.
Arbeitsformen der Inneren Differenzierung
Bei der Arbeit in Projekten arbeiten die Schüler meist in Gruppen. Hier können sich die Schüler die Schwerpunkte ihrer Arbeit und Interessen selbst auswählen und sich mit den Fähigkeiten einbringen, die sie am besten beherrschen. Zugleich lernen sie von den anderen Gruppenmitgliedern. So kann ein Schüler, der gut praktisch arbeiten kann, ein handwerkliches Produkt zu einem Thema herstellen, während ein anderer einen Zeitungsartikel zu dem gleichen Thema schreibt.
Bei der Partnerarbeit können Schüler sich gegenseitig helfen, abfragen und ergänzen.
Bei der Einzelarbeit können sich die Schüler ganz auf sich und ihre eigene Arbeitsorganisation konzentrieren. Die Einzelarbeit wird oft von Partnerarbeit abgelöst, wenn ein Schüler Schwierigkeiten hat oder etwas klären möchte.
Methoden der inneren Differenzierung
Neben den Arbeitsformen spielen bei der inneren Differenzierung verschiedene Methoden eine wichtige Rolle, wie z.B. das Lernen an Stationen und die Wochenplanarbeit. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten für eine bestimmte Zeit im Unterricht und bei den Hausaufgaben an einem Arbeitsplan zu verschiedenen Inhalten. Sie müssen selbst steuern, wann sie welche Aufgabe machen und wie viele Aufgaben sie als Hausaufgabe erledigen wollen. Wichtig ist, dass sie innerhalb der festgesetzten Zeit mit allen Aufgaben fertig sind. Die schnelleren Schüler machen Zusatzaufgaben und können den anderen helfen.
Die Lernerfolge werden je nach Leistungsstand des Schülers in der Orientierungsstufe auf den Schwierigkeitsstufen Basis und Additum überprüft.
Auch die Aufgaben der Wochenpläne sind in unterschiedliche Schwierigkeitsstufen eingeteilt. Außerdem gibt es Pflicht-, Wahlpflicht- und Zusatzaufgaben. Auf diese Weise werden die schwächeren Schüler nicht permanent überfordert und die besseren Schüler können gefordert werden, das heißt, es gibt keine Anpassung des Lerntempos an einen Mittelwert, der die besseren Schüler bremsen würde. Die Schüler werden also individuell gefördert und gefordert. Damit einher geht ein immenser Gewinn an Übungszeit: Statt in der Klasse alle Aufgaben gemeinsam zu bearbeiten, können die Schüler ihrem eigenen Tempo entsprechend arbeiten und haben mehr Zeit dazu, das zu üben, was sie noch nicht können.
Die Einzelarbeit kann abgelöst werden durch Partnerarbeit oder Unterrichtsgespräche, in denen die Schwierigkeiten besprochen werden können, Hilfestellungen gegeben werden oder Input-Phasen eingeschoben werden. In der 5. Klasse müssen die Schüler bei dem Aufbau der Fähigkeit zum selbst gesteuerten Lernen noch unterstützt und kontrolliert werden.
Die Schüler machen diese Art der Arbeit gern, es ist ein Ansporn für sie, mehr zu leisten oder anderen zu helfen. Oft hören wir von den besseren Schülern die Frage: „Soll ich eine Zusatzaufgabe machen oder darf jetzt ich den anderen helfen?“
Fähigkeiten, die die Schüler beim selbst gesteuerten Lernen einüben
- Selbsteinschätzung und Feststellung von Lernbedarf
- Verstehen und Ausführen von Arbeitsaufträgen
- Zeiteinteilung über den Zeitraum einer Woche
- Benutzung von Hilfsmitteln (z.B. Wörterbücher)
- Selbstkorrektur und Einschätzung von Lernfortschritten
- Verbesserung der fachlichen Fähigkeiten
Selbstständiges Lernen und Arbeiten muss in einer Zeit, die durch schnelle Veränderungen lebenslanges Lernen erfordert um Erfolg zu haben, ein wesentliches Ziel von Schule sein. In einigen Grundschulen wurde bereits mit Methoden des selbstständigen Lernens darauf hingearbeitet. Dieser Weg wird an unserer Schule weitergegangen, so dass die Schüler spätestens im 7. Schuljahr über die Fähigkeit zur weitgehenden Selbststeuerung verfügen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass mehr Selbstverantwortung die Schüler zu mehr Leistung motiviert und ihnen den Anreiz nimmt, zu „mogeln“ und die Arbeitsanweisungen des Lehrers mit Tricks zu umgehen.
Die Rolle des Lehrers
Die Arbeit des Lehrers verändert sich bei der gezielten und systematischen Durchführung von innerer Differenzierung und selbst gesteuertem Lernen. Die Vorbereitung und die Planung nehmen sehr viel Zeit ein. Bei zunehmender Selbstständigkeit der Schüler ist der Lehrer nicht mehr der Animateur, der versucht, die Aufmerksamkeit aller 25 Individuen frontal zu bündeln, er ist nicht mehr der Dompteur, der dafür sorgen muss, dass die Aufmerksamkeit der Mehrheit nicht durch einzelne Störer abgelenkt wird und er ist nicht mehr in jeder Minute des Unterrichts der Übervater mit Wissensmonopol.
Er stellt eine gestaltete Lernumgebung zur Verfügung und handelt als Lernbegleiter, der natürlich auch auf die Einhaltung der Regeln achtet und später den Lernerfolg überprüft. Er unterstützt die Schüler praktisch und inhaltlich und achtet zugleich darauf, dass sie zunächst versuchen ihre Probleme selbst zu lösen.
Eine wichtige Aufgabe des Lehrers ist es auch, die Schüler im Lernprozess in Bezug auf Sorgfältigkeit, Arbeitsfortschritt und gewählte Sozialformen zu beobachten. Dieser Beobachtung folgt die beratende Rückmeldung. Um diese Arbeit besser leisten zu können, sind einige Unterrichtsstunden mit zwei Lehrkräften besetzt oder die Lerngruppen werden für bestimmte Stunden oder Unterrichtsphasen geteilt.
So können die Eltern ihre Kinder unterstützen
Die Eltern sollten Interesse zeigen und sich von Ihren Kindern darüber informieren lassen, wann differenziert gearbeitet wurde und welchen Schwierigkeitsgrad sie gewählt haben. Sie sollten die Kinder dazu ermutigen, Zusatzaufgaben zu machen und mit ihnen ins Gespräch kommen, indem sie sich von ihren Kindern die Arbeitsweise zum Beispiel im Wochenplan erklären lassen.
Äußere Differenzierung
Angebot der Förderung: Förderkurse am Nachmittag
In jeder Klassenstufe führen wir für die Feststellung von Förderbedarf mit den Schülern eine Lernstandserhebung in Mathematik und Deutsch durch. Die Schüler erledigen in SGL online verschiedene Tests und erhalten eine Auswertung sowie Materialien zum Üben, die ihrem persönlichen Lernstand entsprechen. Später überprüfen sie in einem Nachtest den Erfolg ihrer Arbeit. Bei dieser Lernstandserhebung lernen die Schüler zugleich den Nutzen bringenden Umgang mit PC und andere Inhalte des Faches ITG (Informationstechnische Grundbildung).
Gemäß der Ergebnisse der Online Diagnose wird den Ganztagsschülern, die unterstützende Förderung benötigen, die Teilnahme an Förderkursen empfohlen, die am Nachmittag stattfinden. Wenn noch Plätze frei sind, können auch die Regelschüler an diesen Kursen teilnehmen.
Angebot der Forderung: Begabtenprojekt Pfiffikus
Pfiffikus ist unser Projekt am Nachmittag für leistungsstarke und zugleich leistungsbereite Schüler. Es werden projektorientiert Inhalte behandelt, die über den normalen Unterricht hinausgehen. Dabei lernen die Schüler entdeckend und erstellen Produkte, auf die sie stolz sein können. Angestrebt wird auch die Teilnahme an Wettbewerben.
Falls Sie Fragen zu diesem Thema haben, schreiben Sie uns! Wir freuen uns über jede Rückmeldung: michaela.koch(at)igszell.de
Michaela Koch für das das Lehrerteam der IGS Zell
Aktualisiert am 24. Januar 2012
