Warum?
Schülerfirma – Warum ist eine Teilnahme für die Schüler/innen von Bedeutung?
Schülerfirmen bieten aufgrund ihres Praxisbezugs und der Vielfältigkeit der zu bewältigenden Aufgaben die Chance, zahlreiche Basisfähigkeiten und -fertigkeiten zu erwerben, die heutzutage seitens der Berufswelt an die Heranwachsenden gestellt und die oftmals als maßgebliche Entscheidungsgrundlage bei der Neueinstellungen von Auszubildenden herangezogen werden.
Es bedarf an dieser Stelle der Anmerkung, dass es sich bei der folgenden Auflistung möglicher Kompetenzerwerbe lediglich um eine begrenzte Auswahl handelt und es ohne Übertreibung möglich wäre, diese um weitere Gesichtspunkte zu ergänzen. Dem Leser wird aus Gründen der Übersicht eine Unterteilung in vier verschiedene Kompetenzbereiche – welche der modernen Struktur unterrichtlicher Planungsraster folgt – offeriert und die es gleichzeitig ermöglicht, für ein besseres Verständnis der verschiedenen Kompetenzstufen zu sorgen.
Fachliche Kompetenzen
Die Schüler/innen erwerben grundlegende betriebs- und volkswirtschaftliche, aber auch (steuer)rechtliche Kenntnisse und erkennen dabei bestehende ökonomische Strukturen, Wirkungsweisen, Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Beispielhaft dürfen folgende Wissensfelder aufgeführt werden.
- Die Schüler/innen erkennen den Aufbau und die Arbeitsweise eines Unternehmens und deren Abteilungen (Kostenstellen).
- Die Schüler/innen sind in der Lage, marktwirtschaftliche Abläufe zu beschreiben.
- Die Schüler/innen überwachen reale Geschäftsvorgänge.
- Die Schüler/innen holen Angebote ein, vergleichen diese und sind auch in der Lage, diese zu verwalten.
- Die Schüler/innen lernen die Bedeutung und das Wesen Allgemeiner Geschäftsbedingungen kennen.
- Die Schüler/innen üben Bestellvorgänge aus, überwachen diese und sind auch in der Lage, diese zu verwalten.
- Die Schüler/innen buchen EDV gestützt alle finanziellen Vorgänge und kooperieren in diesem Zusammenhang auch mit zuständigen Behörden (Finanzamt).
- Die Schüler/innen lernen Grundsätze der Personalpolitik kennen.
Methodische und kommunikative Kompetenzen
Die Komplexität des Wissens, aber auch die Dynamik unternehmerischer Prozesse aufgrund globalisierter Märkte hat zur Folge, dass von potentiellen Auszubildenden heutzutage viel stärker methodisches als auch kommunikatives Geschick eingefordert wird. Im Mittelpunkt dieses Bereiches geht es primär um den Erwerb essentieller Arbeitsweisen und -techniken. Methodische Kompetenzen verstehen sich mithin als überfachliche Fertigkeiten.
Beispielhaft dürfen auch für diesen Bereich einige grundlegende Aspekte aufgeführt werden. Da der Projektleitung die Vermittlung methodisch-kommunikativer Fertigkeiten ein besonderes Anliegen darstellt, fällt diese Liste etwas umfangreicher aus.
- Die Schüler/innen erwerben Verhandlungsgeschick und entwickeln so ein Gefühl unternehmerischen Tuns sowie Risikos.
- Die Schüler/innen erfahren Organisationsgeschick und koordinieren eigenständig das Einhalten und Wahrnehmen von Terminen und Fristen.
- Die Schüler/innen entwickeln ein vernetztes Denken und sind – darauf basierend – in der Lage, strukturiert zu denken, zu planen und zu evaluieren.
- Die Schüler/innen wenden die EDV zielgerichtet und sicher an und können die Vorteile für das eigene unternehmerische Handeln anwenden.
- Die Schüler/innen erwerben das Geschick, ihr unternehmerisches Handeln auszuwerten und kritisch zu betrachten. Somit lernen sie das Wesen sinnvoller Evaluierungsmöglichkeiten kennen.
- Die Schüler/innen stellen ihre Ergebnisse, Strategien und Ideen in teaminternen Sitzungen vor.
- Die Schüler/innen erstellen Schaubilder und Statistiken und können diese sicher anwenden.
- Die Schüler/innen entwickeln Planungsgeschick und können flexibel auf Veränderungen hinsichtlich ihrer Geschäftsabläufe reagieren.
- Die Schüler/innen denken problemorientierter, sind in der Lage Lösungsstrategien zu entwickeln und – durch Gegenüberstellen der jeweiligen Vor- und Nachteile – gegeneinander abzuwägen.
- Die Schüler/innen erwerben rhetorisch angemessene Sprachgeschick und artikulieren ihre Wünsche, Anliegen und Vorstellungen auch Dritten gegenüber sachlich und kompetent.
- Die Schüler/innen halten die essentiellen Gesprächs- und Verhaltensregeln sowohl innerhalb als auch in ihren regelmäßigen Kontakten zu Lieferanten und Kunden ein.
Soziale und affektive Kompetenzen
Die Arbeitsweise und letztlich der Erfolg des Schülerunternehmens misst sich nicht zuletzt an der inneren Passung und Zusammenarbeit der Mitarbeiter/innen. Demzufolge erfährt ein harmonisches, kooperatives Geschick eine große Bedeutung. In Schülerfirmen wird dieses im doppelten Sinne erfasst, indem dieses einerseits vorausgesetzt, andererseits aber auch weiter geschult und gefördert wird. Den Schüler/innen wird deutlich, dass sich Erfolg nur in einem gemeinsamen Miteinander einstellt und es als unerlässlich anzusehen ist, die Persönlichkeiten anderer zu achten, dass es wichtig ist, die Stärken aller zu fördern, jedoch auch deren Schwächen zu tolerieren. Die in Unternehmen geforderte Teamfähigkeit wird geschult und verhilft zum Aufbau der eigenen Persönlichkeit. Hierbei spielt auch die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, eine große Rolle.
Weitere Aspekte
Neben dem Erwerb fachlicher, methodischer, kommunikativer sowie sozial-affektiver Kompetenzen bieten Schülerfirmen weitere Vorteile und Chancen.
Durch die Komplexität unternehmerischen Handelns lernen die Schüler/innen die Vielfältigkeit vernetzten Denkens und die Vernetzung der Strukturen realer Wirtschaftsprozesse kennen. Dabei wird der klassische Fächergedanke aufgegeben; vielmehr müssen sich die Schüler/innen simultan mit den Inhalten gleich mehrerer Fächer auseinandersetzen:
- Ökonomie
- Recht
- Sprache (Deutsch und Englisch)
- Mathematik
- Informationstechnische Grundbildung
- Kunst (aufgrund der Geschäftsidee)
In Schülerfirmen bieten sich demzufolge auch Möglichkeiten der Integration außerschulischer – externer – Lernpartner/innen. So ist es beispielsweise denkbar, die Unterstützung einer Steuerberatung oder Anwaltsdienste einzubeziehen.
Schüler/innen wird deutlich, warum und wofür sie etwas lernen und leisten. Das hohe Maß an Selbstständigkeit und Schülerorientierung wird zum vordergründigen Prinzip. Gleichzeitig wird der Erfolg durch das Auszahlen von Löhnen und Gehältern honoriert und die Motivation der Beteiligten aufrecht gehalten. Erfolge werden als solche wahrgenommen, besonders geschätzt und gewährleisten ein nachhaltiges Lernen. Dies stärkt das Selbstprofil und die Wertschätzung fremden Personen und Objekten gegenüber.
Daniel Steup
Aktualisiert am 6. Februar 2012
