Integrierte Realschule Zell an der Mosel

Erinnerung an die SS-Opfer in Hinzert

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Zum Abschluss des Religions- und Geschichtsunterrichtes der Klasse 9 sind wir, die Klasse 9b der IGS Zell, zusammen mit unseren Lehrern Frau Wallenborn und Herr Oetringer sowie Frau Zimmer von der Kreisverwaltung Cochem-Zell nach Hinzert in die Gedenkstätte des ehemaligen SS-Sonderlagers gefahren. In den vergangenen Religions- und Geschichtsstunden haben wir uns bereits intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt und in der Zeller Synagoge von Herrn Piacenza einiges über das Leben und die Schicksale der Zeller Juden während der Zeit des Nationalsozialismus erfahren,  so dass wir eine ungefähre Ahnung dessen hatten, was uns in Hinzert erwarten würde. Im dortigen ehemaligen SS-Sonderlager/ Konzentrationslager wurden viele Menschen verschiedenster Nationalitäten misshandelt und getötet. Heute ist von den Baracken oder Zäunen nichts mehr zu sehen, dafür gibt es ein Dokumentationszentrum, das an die schlimmen Taten der Nationalsozialisten und an die Opfer erinnert. Wir erhielten aus den beeindruckenden Bildern, Texten und Videos Einblicke in die schlimmen Lebensbedingungen im SS-Sonderlager und erfuhren aus Aufzeichnungen ehemaliger Häftlinge vieles über tragische Einzelschicksale. Es muss eine schlimme Zeit gewesen sein, wie wir durch die niedergeschriebenen Erlebnisse von Joseph de la Martinière erfahren haben: Als die Gefangenen Richtung Hinzert fuhren, sah alles erst sehr schön aus, die Landschaft war friedlich und die Luft dort sehr klar, doch sobald die Häftlinge am Zaun des Lagers ankamen, wurden sie von einem Lagerkommandanten mit den Worten begrüßt: „Ihr seid hierher gekommen, um zu verrecken, und ich gebe Euch mein Wort darauf, dass ihr verrecken werdet!“ Anstatt beim Namen gerufen zu werden, musste jeder Häftling auf eine ihm zugeteilte Nummer auf Zuruf reagieren. Die Aufseher drangsalierten die Häftlinge mit grundlosen Tritten und Schlägen oder demütigten sie, indem sie die Häftlinge z.B. sonntags nackt vor den Augen einiger Dorfbewohner auf Läuse untersuchten oder sie einfach nur zur Belustigung tanzen ließen. Zu essen und zu trinken gab es nur dreimal täglich und das, was sie bekamen, war oftmals zu wenig zum Überleben. Viele der Häftlinge, die tagsüber schwere Arbeiten im Steinbruch oder im Wald verrichten mussten, starben an Entkräftung und Hunger. Auf dem Rücken der Gefangenenkleidung war mit weißer Farbe ein Punkt gemalt, damit die Wachen wussten, wohin sie schießen mussten, falls einer der Gefangenen fliehen wollte. Den Gefangenen wurde auch vorgelogen, sie müssten sich wichtigen Impfungen unterziehen, dabei wurde ihnen Gift gespritzt und die toten Körper anschließend im Wald verscharrt. Diese ergreifenden Eindrücke regten uns an, noch mehr über das damalige Leben nachzudenken.  Im benachbarten Wald besuchten wir anschließend die „Stätten der Unmenschlichkeit“, an denen die Häftlinge erschossen und begraben wurden. Heute sind diese Gruben mit großen Gedenksteinen und Infotafeln versehen, auf denen die Gründe der Tötung, die Lage der Opfer in den Gruben sowie deren Namen und Bilder zu sehen sind. An einer der Gruben steht ein großes Holzkreuz zum Gedenken an die Opfer. Hier mussten sich sechs Häftlinge in Reihe vor die ausgehobene Grube stellen, bevor sie von 12 SS-Aufsehern mit Gewehren erschossen wurden. Die nächsten sechs Gefangenen mussten diese Ermordung  mit ansehen, bevor auch sie zur Grube geführt und hingerichtet wurden. Wir fuhren an ein weiteres damaliges Massengrab, welches heute ein stilles Denkmal auf einer kleinen, ruhigen Lichtung im Wald ist. Dort pflanzten wir zum Gedenken der Opfer einen Baum und legten einen Gedenkstein mit einer Plakette gegen das Vergessen nieder, der von nun  an ein Anlaufpunkt kommender 9.Klassen der IGS Zell sein soll. Dieser Moment der Stille war ein besonders beeindruckendes Ereignis und wir glauben mit Recht behaupten zu können, dass alle Schülerinnen und Schüler von diesem Moment ergriffen waren und sich noch lange daran erinnern werden. Dazu passen die Worte des Wittlicher Steinmetz und Bildhauer Sebastian Langner, der freundlicher Weise unseren Gedenkstein kostenlos verziert hat:

„Der Besuch dieser Gedenkstätte und die Arbeit gegen das Vergessen rechtfertigt jegliche Unterstützung.“

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Artikel geschrieben von

Ann-Katrin Treis und Viktoria Donsbach