Integrierte Realschule Zell an der Mosel

Klasse im Knast und vor Gericht

Es war noch dunkel, als die Deutschkurse der neunten Klasse der IGS Zell in den Bus stiegen um in die Wittlicher Jugendstrafanstalt (JSA) verbracht zu werden. Begleitet wurden sie von ihren Lehrerinnen, Sozialarbeiterin Frau Thees sowie Herrn Mauer (Jugendgerichtshelfer) und dem uniformierten Polizisten Herrn Mähser.

Die Schüler der Deutsch-Grundkurse waren jedoch keine Sträflinge, sondern nahmen am Projekt „Mit der Klasse in den Knast“ teil, das von der Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Amtsgericht und der Polizei an Schulen durchgeführt wird.

Nach einer Unterrichtsreihe über Kriminalität und Jugendstrafrecht waren die Schüler gut vorbereitet auf die Besichtigung des Wittlicher Gefängnisses und das Zusammentreffen mit einem Inhaftierten. Von ihm erfuhren sie einiges über den Alltag im Gefängnis, z. B. dass die Insassen bei Ankunft ihre Handys abgeben müssen und dass es dort keine Computer gibt. Er berichtete außerdem über seine Eltern und dass man in einer solchen Situation schnell merkt, wer die echten Freunde sind.

Einige Wochen später hatten die gleichen Schüler die Gelegenheit in Cochem an mehreren Gerichtsverhandlungen bei Richter Johann als Zuschauer teilzunehmen. Was viele aus dem Fernsehen kennen, war hier Wirklichkeit: Eine Verhandlung in einem Gerichtssaal mit einem Angeklagten, seinem Verteidiger, dem Richter und einem Staatsanwalt. Es waren wirkliche Schicksale und reale Straftaten, die hier verhandelt wurden, wie ein Diebstahl im Globus, ein Betrugsfall und die Weitergabe pornographischer Schriften an Kinder. Der Ablauf der Verhandlungen war festgelegt: Verlesung der Anklage, Beweisaufnahme mit Zeugenverhören, Schlussplädoyers von Staatsanwalt und Rechtsanwalt und anschließende Urteilfindung des Richters. Die Schüler erfuhren, dass die hier gehörten Urteile „im Namen des Volkes“, also auch in ihrem Namen ergehen.

Den Abschluss findet das Projekt am letzten Schultag, wenn die Schüler ihre erstellten Berichte vorstellen und mit den Projektbetreuern über Kriminalität im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken im Internet sprechen werden.

 

von Melissa Teees und Michaela Koch